Auszeichnung für Ronja Links politisches Gedicht

Am Anfang stand die Aufgabe: „Welches aktuelle Problem brennt dir am meisten auf den Nägeln? Suche Antworten darauf.“ Mit dieser sehr offenen Fragestellung lockte die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg Schülerinnen und Schüler, sich auf kreative Art mit Politik auseinanderzusetzen. Gefordert waren Arbeiten als Gedicht, Kurzgeschichte, Brief, Rede, Comic, Kommentar oder Bericht.

Ronja Link, die in ihrem Gemeinschaftskunde-Kurs der Jahrgangsstufe 2 von ihrem Lehrer Christian Buschhaus auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht wurde, entschied sich für die Form des Gedichts. Da es laut Ronja nun einmal für komplexe Probleme keine einfach darstellbare Lösungen gibt, hat sie sich entschieden, die Aufgabenstellung an sich in ihrem Werk zu kritisieren. Sie thematisiert außerdem den steigenden Populismus in Politik und Medien, wobei ihr Schwerpunkt auf rechtspopulistischen Entwicklungen in unserer Gesellschaft liegt. In ihrem Gedicht „Hass oder Hype und nichts dazwischen?“ geht sie daher auf die veränderte politische Landschaft und Streitkultur in den USA ein, setzt sich aber gleichermaßen mit den radikalen Tendenzen in Deutschland auseinander. So schreibt sie beispielsweise:

„Bei uns ist der kleine Mann der große Verfasser,
immer krasser werden Parolen und Hetze.
Populismus ersetzte inhaltlichen Fokus.
Doch nicht bei uns?
Aber, oh je, versteh!
Dornröschen Deutschland, erwache und seh.
Du wurdest wachgeküsst von der AfD.“

Landtagspräsidentin Muhterem Aras gratuliert dem Christoph-Schrempf-Gymnasium nun in einer Urkunde zu seiner „Förderung der politischen Bildung“ und stuft Ronjas Leistung als „überdurchschnittlich erfolgreich“ ein. Damit gewann sie den ersten Platz des Wettbewerbs.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Ronja!

Und nun das Gedicht in voller Länge:

Hass oder Hype und nichts dazwischen?

In diesem Text gibt es keine einfache Antwort,
keine Lösung „Besserung ab sofort“
keine Feen mit Zauberwort, keine neue Ideen vom lieben Gott.
Wir müssen verstehen, es ist kein leichtes Problem.
Das war doch abzusehn.
Halten wir das noch aus? Nicht unverzüglich auf einer Seite zu stehen?
Hass oder Hype und nichts dazwischen?

I’m the man. Yes we can.
Make America great again.
Wie? Irrelevant, fand doch niemand je interessant.
Einwand, nur die Hälfte von Land.
Hauptsache man hat wieder Hoffnung.

Wir wollen, dass alles sofort funktioniert,
kein Problem noch existiert.
Rettung wäre angenehm,
Sie verstehn, am besten bequem und in „Unkompliziert“
Einen Held, egal ob der Ausweg, den er uns serviert,
auf „Fakten“ basiert, die er frisiert oder ganz phantasievoll gleich selbst kreiert.
Wir sind ja schon so frustriert,
wir zahlen viel zu viel Geld, das sei klargestellt,
um einen Held zu bestaunen auf Leinwand projektiert.
Jemand, der die Welt zusammenhält, das Böse zurückstellt.

Dass uns dieser „Hirn-aus-und-Weltrettungsfilm“ so gefällt,
enthält doch unsere Sehnsucht nach einem Superheld für unsere ganz eigene Welt.
Im Klartext, ein Heldenkomplex wächst nicht nur in Donald Trump
mit Kandidatur, der Wahlkampftour und dem nun kommenden Schwur.
Nein, auch in denen, die ihn stur machten zu einer bizarren Comicfigur.
Dahingestellt, ob zum Held oder zum verrückten Narren.

Doch wie sieht‘s aus über ‘m weiten Wasser?
Bei uns ist der kleine Mann der große Verfasser,
immer krasser werden Parolen und Hetze.
Populismus ersetzte inhaltlichen Fokus.
Doch nicht bei uns?
Aber, oh je, versteh!
Dornröschen Deutschland, erwache und seh.
Du wurdest wachgeküsst von der AfD.

Mit starker Position. Reden mit viel Emotion, doch ohne Funktion „Information“.
Faszination einfache Lösung für die einfache Nation.
Option Klassifikation statt Aktion Integration.

Doch dieses Gedicht soll keines sein, das voller Aggression
über Trump oder die Sensation AfD spricht.
Die wurden schlicht, schon so oft erklärt zum ultimativen Bösewicht.
Populismus auf beiden Seiten.

Herzlich willkommen zur großen „schwarz-weiß Show“
Nicht nur in der Mode Welt ein „always good to go“
Es scheint, als wäre schnelle klare Meinungsfindung,
die Weiterentwicklung der „Meinungsmode“ für Jedermann.
Für die Mitschwimmer,
Moment, wir schwimmen doch nicht mehr mit dem Strom,
wir stehen konsequent auf einer Position.
Als schwarz-weiß denken lässt es sich beschreiben,
wer schwimmt, neutral versucht zu bleiben, lässt sich treiben.

Aus Schwarz-weiß denken, wird schwarz-weiß sehen.
Und dann werden aus allen Flüchtlingen Assis mit etlichen Vergehen.
Oder aus allen integrationsfreudige Ärztefamilien mit hohem Ansehen.
Ansehen. Jeden als Individuum. Das sollte geschehen.

Doch was, wenn das nicht funktioniert?
Der Mensch schon immer so existiert, dass er nach einfachen Lösungen giert?
Thema verfehlt.
Als ein Trieb nach klarer Position ist dieses “aktuelle Problem“ zu verstehen.
Ein Versehen der Natur.
Das waren nicht unsere Ideen.
Problem Hass oder Hype kann nicht nur ein Trieb sein,
denn mit etwas Fleiß spüren wir doch im Unterbewusstsein den Beweis.
Zwischentöne im schwarz-weiß.
Ohne diese erhellenden Momente,
wäre alles so schön einfach im schwarz-weißen Elemente.
Doch die Welt setzt nun mal graue Akzente.

Lassen wir unsere Kindheitshelden endlich entspannen.
Gut und Böse sind häufig so nah zusammen.
Schau, die Welt als ödes Grau.
Doch hier kommt die wirkliche Alternative,
verändert man Perspektive.
Rein in die Offensive, Sättigung ins Positive,
noch ein Filter drauf und schon sehen wir einen Farbverlauf.
Farben. Vielfalt zuhauf.
Im Gegensatz zum schwarz-weiß Bild, das immer schwarz weiß gilt.

Problem Farbfernseher:
Spätestens seit der Erfindung des Farbfernsehens
wissen wir doch, man entzieht sich nur schwer dem Flair der Farbe.
Die Wiederkehr zum schwarz-weiß empfindet man als stumpf und leer.
Denn Bunt ist mehr komplexer Ausdruck und so sehr menschlich.
Doch bevor ich mich hier ganz verliere, mich blamiere
und in der Farblehre philosophiere
erkläre ich meine „Gedankensphäre“ zur „Hass oder Hype“ Lehre.

Schwarz-weiß, nur Hass oder Hype ist zu ertragen,
hätten wir den Grund uns sonst mit Grau abzuplagen.
Doch wow, unsere Welt ist bunt!
Bunt an Meinung, Lebenseinstellung, Hintergrund.

Vielschichtiger, komplexer erscheint nun jeder Konflikt.
Doch lieber zurück zum schwarz-weiß Relikt?
Problem Farbfernseher.
Eher wagen wir den Schritt und schließen mit diesem Fazit.

In diesem Text gibt es keine einfache Antwort,
keine Lösung „Besserung ab sofort“
keine Feen mit Zauberwort, keine neue Ideen vom lieben Gott.
Wir müssen verstehen, es ist kein einfaches Problem.
Das war doch abzusehen.
Hass oder Hype und so viel dazwischen.

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