Filmreife Zeugnisvergabe

Langsam senkte sich die Sonne auf den Besigheimer Schulhof nieder, als das Basisfach Musik mit dem Klassiker „Tequila“ von The Champs gleich für Stimmung sorgte: Die Zeugnisvergabe des Christoph-Schrempf-Gymnasiums konnte starten. Liebevoll geschmückt mit goldenen, schwarzen und weißen Luftballons bot die Bühne passend zum Abimotto „Abiversal – zwölf Jahre im falschen Film“ eine perfekte Kulisse für die Feierlichkeiten.

Schulleiter Frank Hielscher hob hervor, das Abimotto wirke zunächst humorvoll, erinnere aber zugleich an ein vorgegebenes Drehbuch. Nun nähere sich die letzte Szene der Schulzeit ihrem Ende – und das noch immer am vertrauten Originalset, das sich über die Jahre leider kaum verändert habe.

Die Schulzeit lasse sich als Bildungsblockbuster verstehen: geprägt von vielen Regeln und Vorgaben. Dabei stünden die Jugendlichen oft im Spannungsfeld zwischen der hohen Geschwindigkeit in ihrer Freizeit und den der Schule so eigenen, traditionell wirkenden Strukturen. Doch Schule müsse nicht jedem Trend folgen – wichtiger seien Denken statt Tempo und Reflexion statt bloßer Reaktion. Schulleiter Frank Hielscher erklärte, Überforderung und Leistungsdruck nähmen zugleich sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrkräften zu, weil die Erwartungen stetig wüchsen. Umso wichtiger sei es, dass Schule junge Menschen dazu befähige, kritisch zu denken und einen eigenen Standpunkt zu entwickeln.

Mit dem Abitur ende nun dieser Abschnitt. Von jetzt an übernähmen die Absolventinnen und Absolventen selbst die Regie über ihr eigenes Leben. Dabei helfe ihnen auch ihr Abiturzeugnis, dessen guter Schnitt von 2,3 einen tollen Start biete – 15 haben es sogar geschafft, ein Abitur mit „Eins Komma“ abzuschließen, mit der glatten Eins belohnte sich Vincent Englram für seinen Fleiß.

Bürgermeister Dr. Florian Bargmann gab den jungen Erwachsenen drei Gedanken mit auf ihren Weg. Er appellierte daran, neugierig zu bleiben, den Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen sowie nie die Menschen zu vergessen, die den eigenen Weg begleiteten. Im Anschluss zeichnete er Ann-Sophie Fritz für ihre herausragenden Leistungen im Fach Deutsch mit dem Christoph-Schrempf-Preis aus, während Alisa Schwarz von der Elternbeiratsvorsitzenden Ilka Ludwig für ihr soziales Engagement geehrt wurde. Zudem vergab Ulla Breitensprecher von der VR-Bank Ludwigsburg den gesellschaftswissenschaftlichen Preis an Vincent Englram, den Musik-Preis an Jakob Bederna und den Fremdsprachenpreis an Ann-Sophie Fritz.

Nach einer leichtfüßig tänzelnden musikalischen Einlage von Jakob am Flügel, hatte Ann-Sophie dann die Ehre, die Abiturientenrede zu halten. Ganz nach dem Motto „Abiversal – 12 Jahre im falschen Film“ habe sich die Schulzeit je nach Stundenplan mal wie eine Komödie, mal wie eine Tragödie angefühlt. Wie jeder gute Film sei sie geprägt von Höhen und Tiefen, Konflikten, kleinen Katastrophen wie z.B. WLAN-Ausfällen gewesen, die für Spannung sorgten. Nicht immer schien das Drehbuch bekannt zu sein, doch die Herausforderungen wurden gemeistert – auch dank vieler Menschen, die unterstützt, begleitet und mit den Schülerinnen und Schülern gekämpft haben, meinte sie mit Blick auf die Eltern, Lehrkräfte und die Schulleitung. Viele, die einst eine Nebenrolle gespielt hätten, seien im Laufe der Jahre zu Hauptfiguren herangewachsen. Nach zwölf Jahren Vorgeschichte beginne nun nicht der Abspann, sondern eine neue Staffel mit vielen unbekannten Kapiteln.